Studie: Antibiotische Prophylaxe von Dr. med. dent. Yoo

Dr. med. dent. Joung-Min Yoo, M.Sc., ist seit seiner Approbation im Jahre 2004 stets an den modernsten Errungenschaften der zahnmedizinischen Forschung und Entwicklung im Sinne seiner Patienten interessiert. Es genügt ihm nicht, sich an den kontroversen Diskussionen zu bestimmten Behandlungsformen zu beteiligen oder sich auf pharmazeutische Ratschläge zu verlassen, Dr. Yoo schafft Fakten!

➨ So auch in der Frage: „Wie sinnvoll ist die Antibiotika-Behandlung nach der operativen Entfernung der Weisheitszähne?“

Antibiotika geraten zunehmend in die Kritik: So sorgen Sie einerseits für eine rasche Linderung von Beschwerden, andererseits entwickelt der Körper im Laufe der Zeit eine Immunität gegen das Antibiotikum, was schlimmstenfalls dazu führen kann, dass die Einnahme eines antibiotischen Medikamentes wirkungslos bleibt. Um nun Vor- und Nachteile einer zahnmedizinischen Antibiotika-Prophylaxe gegeneinander abzuwägen, führte Dr. med. dent. Yoo die im Folgenden ausführlich beschriebene Studie durch.
 

Studie: (Wann) Ist die Prophlaxe durch Antibiotikagabe nach der Weisheitszahnentfernung sinnvoll?

[2003 – 2007]

Antibiotische ProphylaxeDie operative Entfernung von Weisheitszähnen gehört in der zahnärztlich-oralchirurgischen Praxis, in Kliniken und in der gesamten Zahn-, Mund- und Kieferheilkunde zu den häufigsten chirurgischen Interventionen. Es wurden bisher unterschiedliche Operationstechniken und Nachbehandlungsarten beschrieben.

Die routinemäßige Gabe eines Antibiotikums bei operativer Entfernung von Weisheitszähnen wird kontrovers diskutiert. Die Inzidenz von Infektionen und entzündlichen Komplikationen nach operativer Entfernung unterer Weisheitszähne variiert, je nach Studie, zwischen 1 % und 14,8 %. Während es einerseits Nachweise gibt, dass Antibiotika die Inzidenz von postoperativen Komplikationen senken können, so liegen auch Nachweise der entgegengesetzten Position vor. Wie die Cochrane Library veröffentlichte, ist ein besserer Nachweis erforderlich, was die Entfernung von Zähnen und die Anwendung einer prophylaktischen Antibiotikagabe betrifft.

Sowohl in der Privatklinik „Pyramide am See“ in Zürich, Schweiz (Abteilung Kiefer- und Gesichtschirurgie) als auch in der oralchirurgischen Abteilung der Tagesklinik „die + Zahnärzte“ in Düsseldorf wird die offene Nachbehandlung bei der operativen Entfernung unterer Weisheitszähne und der primäre Wundverschluss bei der operativen Entfernung oberer Weisheitszähne bevorzugt. Diese Art der Wundbehandlung wurde u.a. auch lange Zeit an der Universitätsklinik Zürich, Schweiz (Abteilung Kiefer- und Gesichtschirurgie) durchgeführt. Auf eine undifferenzierte prophylaktische Antibiotikagabe prä- und postoperativ wurde bei den medizinisch gesunden Patienten verzichtet. Die Indikationen für eine prophylaktische Antibiotikagabe besteht bei immunkompromittierten Patienten, bei Patienten mit kardiovaskulären Erkrankungen, die eine Endokarditisprophylaxe benötigten und in streng ausgewählten Ausnahmenfällen, die ein erhöhtes Infektionsrisiko und ein risikoreiches Operationsverfahren darstellen.

Das Ziel dieser Studie war es, die Inzidenz von Wundinfektionen nach operativer Weisheitszahnentfernung im Ober- und Unterkiefer und dadurch die Frage nach der Notwendigkeit einer prophylaktischen Antibiotikagabe zu untersuchen. Eine retrospektive Untersuchung der postoperativen Verläufe nach 1163 operativen Weisheitszahnentfernungen im Oberkiefer und im Unterkiefer bei 587 Patienten in dem Zeitraum zwischen den Jahren 2003-2007 wurde durchgeführt.
 

Resultate der Studie „Antibiotische Prophylaxe“

Antibiotische ProphylaxeBei der operativen Entfernung von unteren Weisheitszähnen wurde die offene Wundbehandlung und im Oberkiefer der primärere Wundverschluss bevorzugt. Auf eine undifferenzierte prophylaktische Antibiotikagabe wurde prä – und postoperativ verzichtet. Die Indikationen für eine antibiotische Prophylaxe ergab sich bei immunkompromittierten Patienten, bei Patienten mit kardiovaskulären Erkrankungen, die eine Endokarditisprophylaxe benötigten und in streng ausgewählten Ausnahmefällen, die ein erhöhtes Infektionsrisiko und ein risikoreiches Operationsverfahren darstellten. Es erfolgte eine Unterteilung in eine Untersuchungsgruppe ohne (970 Zähne) und eine Kontrollgruppe mit antibiotischer Prophylaxe (193 Zähne). Es wurde der Zusammenhang zwischen unterschiedlichen Einflussgrößen (Operateur, Kiefer, Lage, Alter, Geschlecht, präoperative Infektion) und einer postoperativen Infektion untersucht. Mittels einer deskriptiven Statistik wurden die Häufigkeiten zur postoperativen Infektionen ermittelt. Durch den Chi-Quadrat-Test wurden entsprechende p-Werte ermittelt, um einen Zusammenhang zwischen der Einflussgröße und der postoperativen Infektion zu zeigen. Falls ein Zusammenhang festgestellt werden konnte (Chi-Quadrat-Test, p<0,05), wurde durch einen Risikoschätzer die Odds Ratio berechnet. ✦ In der Kontrollgruppe konnte gezeigt werden, dass die antibiotische Prophylaxe keinen Einfluss bei den einzelnen Faktoren auf das Auftreten einer postoperativen Infektion hatte (Chi-Quadrat-Test, p>0,05).

✦ In der Untersuchungsgruppe ergab sich kein Zusammenhang zwischen dem Geschlecht, der Lage des Zahnes und einer präoperativen Infektion und das Auftreten einer postoperativen Infektion (Chi-Quadrat-Test, p>0,05).

✦ Ein Zusammenhang zwischen dem Kiefer und Alter und einer postoperativen Infektion wurde nachgewiesen (Chi-Quadrat-Test, p<0,05). Die Berechnung der Odds Ratio ergab, dass die Chance auf eine Infektion im Unterkiefer mehr als doppelt so hoch wie im Oberkiefer ist (OR=2,24; 95%-CI [1,02; 4,93]) und dass die Chance auf eine postoperative Infektion im Oberkiefer bei über 30-jährigen 14-mal höher als bei unter 30-jährigen Patienten ist (OR=14,050; 95%-CI [2,768; 71,309]).  

Fazit

➨ Die Inzidenz der Infektion nach operativer Entfernung von Weisheitszähnen liegt in dieser Untersuchung insgesamt im Ober- und Unterkiefer bei 4%. Die niedrige Komplikationsrate nach operativer Entfernung von Weisheitszähnen und das höhere Risiko der Möglichkeit einer Nebenwirkung durch eine prophylaktische Antibiotikagabe rechtfertigen den Routineeinsatz einer antibiotischen Prophylaxe nicht, sondern ist nur in vernünftig ausgewählten Einzelfällen als erforderlich zu betrachten.

➨ Neben der Art des Wundverschlusses und der Wundversorgung spielt der Einsatz einer nicht-antibiotischen Prophylaxe eine wesentliche Rolle, um die Inzidenz einer Wundinfektion nach operativer Entfernung von Weisheitszähnen niedrig zu halten.

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