Ratgeber: Umwelt- und ganzheitliche Zahnmedizin

Umweltzahnmedizin / Ganzheitliche Zahnmedizin

Zahnmedizin im Einklang mit Körper und Umwelt

Inhalt

ganzheitliche Zahnmedizin
1. Umweltzahnmedizin/Ganzheitliche Zahnmedizin – was ist das eigentlich?

    1.1. Ganzheitliche Zahnmedizin
    1.2. Umweltzahnmedizin
    1.3. Vorteile für Patienten

2. Ganzheitliche Zahnmedizin als Schutz gegen chronische Erkrankungen

    2.1. Allergien
    2.2. Diabetes
    2.3. Rheuma / Autoimmunität
    2.4. Magen-Darm-Beschwerden
    2.5. Herz-Kreislauf-Erkrankungen
    2.6. Osteoporose
    2.7. Migräne

3. Ergänzende Behandlungsmethoden

    3.1. Homöopathie
    3.2. Neuraltherapie
    3.3. Mundstrommessung

4. Interview mit Frau Dr. med. dent. Hiltrud Boeger
Quellen


1. Umweltzahnmedizin / Ganzheitliche Zahnmedizin – was ist das eigentlich?

1.1. Ganzheitliche Zahnmedizin (ganzheitlicher Zahnarzt)

Die Ganzheitlichkeit betrachtet ein Thema, einen Gegenstand oder auch eine Beziehung in ihrer gesamten Vollständigkeit. Alle Zusammenhänge und Aspekte werden umfassend, vorausschauend und weitsichtig berücksichtigt – so auch in der ganzheitlichen Medizin:

Die Ganzheitsmedizin sieht den Menschen als strukturiertes und nach außen hin offenes System an, dessen einzelne „Bestandteile“ in ständiger Wechselwirkung mit sich selbst, mit dem menschlichen Organismus und auch mit der Außenwelt stehen. Eine medizinische Behandlung im ganzheitlichen Sinne umfasst folglich:

✔ Körper, Geist und Seele
✔ Ideale und (religiöse) Wertvorstellungen
✔ Lebensweise des Patienten
✔ Stressfaktoren
✔ Ernährungsgewohnheiten
✔ Sportliche Aktivitäten
✔ Soziales Umfeld
✔ Umweltfaktoren wie Wasser, Luft, Klima
✔ Künstliche Umweltfaktoren wie Lebensraum, Arbeitsraum, Technik

Scheinbar widersprüchlich reiht sich nun der Begriff der „Zahnmedizin“ an – ein sehr spezieller Fachbereich der Humanmedizin, der sich auf das Kauorgan (Mund, Kiefer, Kiefergelenk, Kaumuskeln) des Patienten bezieht.

Moderne Forschungsergebnisse und langfristig angelegte wissenschaftliche Studien belegen inzwischen allerdings einen unzweifelhaften Zusammenhang zwischen Zahn- und Kieferstörungen und gesundheitlichen Belastungen, die sich im gesamten Organismus bemerkbar machen.

Dieses Wissen ebnet den Weg für die ganzheitliche Zahnmedizin . Zahnärzte, die ganzheitlich tätig sind, erweitern ihr Fachwissen auch in anderen Bereichen der Medizin und arbeiten eng mit Allgemeinmedizinern und Fachärzten zusammen.

Es stehen diverse Diagnose- und Therapiemöglichkeiten zur Verfügung, die sich eben nicht nur auf den Mundraum beschränken, sondern auch körperliche Symptome berücksichtigen.

Vereinfacht ausgedrückt: Ein ganzheitlicher Zahnmediziner hat nicht nur die Erkrankung und ihre Symptome im Blick, sondern betrachtet den gesamten Menschen, seine körperlichen Erkrankungen, seine Lebensweise. Nicht selten fällt in diesem Zusammenhang auch der Begriff der „Umweltmedizin“.

1.2. Umweltzahnmedizin

Umwelteinflüsse, die äußerlich oder innerlich auf unseren Organismus einwirken:

✘ Nahrungsmittel und Getränke
✘ Medikamente
✘ Kleidung, Accessoires und Schmuck
✘ Schadstoffe in der Luft und im Wasser
✘ elektromagnetische und elektrische Felder

… und speziell aus dem zahnmedizinischen Bereich:

✘ Material von Füllungen und Zahnersatz
✘ Implantate
✘ erkrankte und abgestorbene Zähne
✘ Stents
✘ etc.

Natürlich kann auch die moderne Zahnmedizin nicht ohne körperfremde Materialien arbeiten: Metalle, Keramiken, Kunststoffe und mehr. Es sollte jedoch ein Bewusstsein dafür entwickelt werden, dass genau diese Materialien wie „Trigger“ wirken und infolgedessen auch chronische Krankheiten wie Diabetes, Rheuma oder Herz-Kreislauf-Erkrankungen auslösen oder verstärken könnten.

Reagiert ein Patient beispielsweise sensibel auf das eingesetzte Material oder wirken schlecht verarbeitete Materialbestandteile in zu hoher Konzentration auf den menschlichen Organismus ein, so kann dies zu chronisch entzündlichen Erkrankungen führen.

Ein ganzheitlicher Zahnmediziner bzw. ganzheitlicher Zahnarzt, der auch die wesentlichen Aspekte der Umweltmedizin berücksichtigt, stellt sich genau dieser Verantwortung:

➥ Ein ganzheitlicher Zahnarzt wählt das individuell für den jeweiligen Patienten geeignete Zahnmaterial und die optimale Therapieform aus, um negative Wechselwirkungen mit dem Organismus nach Möglichkeit zu vermeiden.

➥ Ein ganzheitlicher Zahnarzt arbeitet eng mit dem Arzt oder Heilpraktiker des betr. Patienten zusammen, sodass keinerlei Reizfaktoren vom Mundraum ausgehen

Negative Auswirkungen, die sich im gesamten Organismus bemerkbar machen, können ihre Quelle also durchaus im Kieferbereich haben.

1.3. Vorteile für Patienten

Verlagerte Zähne, wurzeltote Zähne sowie entzündetes Zahnfleisch können entzündliche Prozesse hervorrufen. Auch Materialien für Füllungen, Zahnkronen, Zahnprothesen und Implantate sowie Bindungsmaterialien in Form von Klebern und Zementen bergen unter Umständen Gefahren für die Mundgesundheit, aber auch für den Organismus des Patienten.

Um die richtige Diagnose zu stellen und optimale Therapien vorzuschlagen benötigt der Zahnmediziner sowohl eine genaue Kenntnis über seinen Patienten, dessen Lebensgewohnheiten und eventuell auch genetische Faktoren, als auch ein toxikologisches, umweltmedizinisches und immunologisches Fachwissen.

Doch allein mit den notwendigen Kenntnissen ist es noch nicht getan: Ein ganzheitlicher Zahnarzt sollte auch genau wissen, wie er problematische Materialien entfernen und austauschen kann, um dem Patienten Erleichterung zu verschaffen.

Er sollte möglichst im Vorfeld in Erfahrung bringen, ob der Patient bestimmte Unverträglichkeiten mitbringt oder ob Wechselwirkungen zwischen unterschiedlichen Materialien bekannt sind, die nach einem entsprechenden Austausch im Mund zusammentreffen könnten.

Die moderne Zahnmedizin hat begonnen, sich diesen Themen zu öffnen. Darauf ausgelegte Beratungsgespräche erhalten Sie in der Regel ausschließlich bei ganzheitlichen Zahnmedizinern, die sich auch auf die Umwelt-Zahnmedizin spezialisiert haben.

Hier finden Sie kompetente Ansprechpartner, die die bisherige Zahnmedizin bereichern. Ihnen geht es nicht allein um die Ästhetik oder Kaufunktion, sondern um Ihre GESUNDHEIT, unser höchstes Gut.

2. Ganzheitliche Zahnmedizin als Schutz gegen chronische Erkrankungen

2.1. Allergien

Allergien haben sich in den letzten 20 Jahren verdoppelt, bestimmte Autoimmunerkrankungen wie Morbus Crohn oder Diabetes Typ 1 sogar verdreifacht. Die Auslöser für diese Gesundheitsstörungen lassen sich oftmals nicht eindeutig bestimmen und so geraten Ärzte und Zahnärzte mit klassisch schulmedizinischer Diagnostik schnell an ihre Grenzen.

Zeigen sich die Beschwerden lokal, so ist es noch verhältnismäßig einfach, sie mit den entsprechenden Umweltsubstanzen in Zusammenhang zu bringen. Im Mundraum könnten beispielsweise Beschwerden wie
>therapieresistente Parodontitis
➧ Burning-Mouth-Syndrom
➧ Zungenbrennen
➧ Metallischer Geschmack
➧ Aphthen
➧ etc.

aufgrund bestimmter Materialien entstehen, die der Patient nicht verträgt: Goldlegierungen, Kunststoffe, Amalgam und mehr. Bleiben diese lokalen Symptomatiken allerdings aus und treten mehr und mehr entzündliche Reaktionen im gesamten Körper auf, so gestaltet sich die Suche nach den Ursachen schon weitaus komplizierter. Bleibt eine solche Diagnostik aus, so führt dies

➧ zu einer fortwährenden Aktivierung des Immunsystems, welches sich mit den körperfremden, den Reiz auslösenden Stoffen auseinandersetzt,

➧ und zu chronischen Entzündungen, die sich ebenfalls negativ auf das Immunsystem auswirken.

Umweltzahnmedizin

Dem ganzheitlichen Zahnmediziner bzw. Umwelt-Zahnmediziner stehen immunologische, umweltmedizinische (toxikologische) und genetische Testverfahren zur Verfügung, um festzustellen, ob
➢ Allergien / Sensibilisierungen gegen Implantate oder Zahnersatz vorliegen
➢ Stumme chronische Entzündungsherde (Störfelder) vorhanden sind
➢ Parodontitis im Individualfalle ein allgemeinmedizinisches Problem darstellt

Ganzheitliche Zahnmediziner bzw. ein ganzheitlicher Zahnarzt mit Erfahrung in der Umweltzahnmedizin verfügen über spezifische Kenntnisse der Immunologie, Allergologie und Toxikologie, zugleich arbeiten sie aber auch interdisziplinär mit Allgemeinmedizinern und Fachärzten zusammen.

So werden sowohl die Diagnosen als auch Therapievorschläge mit Berücksichtigung auf den gesamten menschlichen Organismus abgestimmt – mögliche Unverträglichkeiten werden auf diese Weise noch vor dem Einsatz diverser Materialien ausgeschlossen.

Sie arbeiten außerdem mit Dentallaboren zusammen, die nicht nur in Bezug auf den klassischen Zahnersatz erstklassige Ergebnisse liefern, sondern auch eine Zertifizierung in Umweltzahntechnik nachweisen können.

2.2. Diabetes

Inzwischen leidet jeder zehnte Erwachsene unter der Diabetes. Die meisten Personen haben das 40. Lebensjahr bereits überschritten, doch auch Kinder sind immer häufiger von dieser Erkrankung betroffen. Das Risiko steigt mit dem Alter, daher auch die gängige Bezeichnung der „Altersdiabetes“. Doch was genau geschieht da eigentlich?

Wenn es zu einer Insulinresistenz kommt, liegt meist ein Zusammenspiel aus genetischen Anlagen und diversen weiteren Faktoren zugrunde – die Wirkung des Insulins wird im Gewebe verändern, d. h. die Körperzellen sprechen immer weniger auf das Hormon an.

Währenddessen reduziert sich auch die Insulinausschüttung in der Bauchspeicheldrüse, was wiederum den Zuckerhaushalt und den Fettstoffwechsel stört. Weitere körperliche Veränderungen sind die Folge, zum Teil mit gefährlichem Ausgang:

✔ Frühgeburten
✔ Herz-Kreislauf-Erkrankungen
✔ Schlaganfälle

Bewegungsmangel und Übergewicht zählen zu den größten Risiken, die eine Diabetes hervorrufen können – eine Tatsache, die den meisten Menschen inzwischen bekannt ist.

Der wechselwirkende Zusammenhang zwischen der Diabetes und einer Entzündung des Zahnhalteapparates (Parodontitis) ist allerdings nicht ganz so geläufig:

➧ Diabetes wirkt sich auf die Mundgesundheit aus und steigert das Risiko von Zahnerkrankungen.
➧ Diabetes führt zu massiveren und schnelleren Verläufen einer Parodontitis.
➧ Parodontitis-Patienten leiden unter einer schwereren Diabetes als zahngesunde Menschen.

Selbst im Hinblick auf die Medikamenteneinnahme lassen sich Zusammenhänge zwischen der Mundgesundheit und der Diabetes erkennen:

➧ So führt die Parodontitis z. B. dazu, dass der Diabetiker eine höhere Insulindosis für die Einstellung seines Blutzuckerspiegels benötigt.

➧ Eine verantwortungsvoll durchgeführte Parondontitis-Therapie kann folglich auch die Diabetes-Medikation senken.

Ganzheitliche Zahnmedizin

Somit lässt sich also unzweifelhaft festhalten: Zahnfleischerkrankungen, Parodontitis, nicht fachgerechte Wurzelkanalbehandlungen gehen eine Wechselwirkung mit Diabetes ein.

Hinzu kommen die veränderten Lebens- und Ernährungsgewohnheiten, die sich ebenfalls auf unsere Gesundheit auswirken. Bewegung, Sport und eine ausgewogene Ernährung stellen effektive Präventivmaßnahmen dar.

Aus zahnmedizinischer Sicht sollten Diabetiker unbedingt grundsätzlich auf kontrollierte und optimal eingestellte Blutzuckerwerte sowie auf eine sorgfältige Mundhygiene achten. Vierteljährliche Termine für die professionelle Zahnreinigung sind genauso zu empfehlen wie mindestens halbjährliche Kontrolluntersuchungen beim Zahnarzt Ihres Vertrauens.

Ein ganzheitlicher Zahnmediziner bzw. ein ganzheitlicher Zahnarzt sorgt dafür, daß aus dem Mund-Kieferbereich keinerlei Triggerfaktoren zur Verschlechterung des Diabetes beitragen. Er wird eng mit Ihrem Hausarzt zusammenarbeiten und sich ausreichend Zeit für Sie nehmen, um sich auch von Ihnen persönlich über Ihren aktuellen Gesundheitszustand informieren zu lassen.

2.3. Rheuma / Autoimmunität

Wenn Zähne im Mundraum absterben und nicht fachmännisch behandelt werden, kann sich dies auf den gesamten Körper negativ auswirken , was sich auch in rheumatischen Beschwerden / Autoimmunerkrankungen äußern kann. Tatsächlich ist es gar keine Seltenheit, dass ein Zusammenhang mit abgestorbenen Zähnen besteht

Problematisch ist hier besonders, dass tote Zähne keine Schmerzen mehr verursachen. Infolgedessen bemerkt der Patient oft selbst nicht, welche schädlichen Abläufe sich gerade in seinem Mund abspielen.

Ein ganzheitlicher Zahnarzt wird Ihre rheumatischen / autoimmunen Beschwerden nochmal in ein vollkommen anderes Licht stellen und die Verstärker dieser Symptome auch in Ihrem Mundraum suchen – sollte ein Zusammenhang bestehen, können Ihre Schmerzen durchaus erfolgreich behandelt werden.

2.4. Magen-Darm-Beschwerden

Wenn verschiedene Metalle im Mund vorhanden sind, lösen sich diese auf und geben Ionen ins Bindegewebe und in den Verdauungstrakt ab.
Dies führt oft zu Störungen der Darmflora und zum sog. „Leaky Gut“ (einem löchrigen Darm), in dessen Folge sich Unverträglichkeiten gegen Nahrungsmittel entwickeln können.

Amalgamsanierung, Metallentfernung und Symbioselenkung ( Aufbau der Darmflora) tragen dazu bei, dass sich Nahrungsmittelallergien zurückbilden können.

2.5. Herz-Kreislauf-Erkrankungen

In der ganzen Welt belegen Forscher über Langzeitstudien einen Zusammenhang zwischen schlechter Mundhygiene und damit schlechten Zähnen mit dem vermehrten Auftreten von Herz- und Kreislauferkrankungen.

So wurde im Jahre 2011 eine schwedische Studie veröffentlicht, nachdem 8.000 Patienten zahnmedizinisch untersucht und dann für über 13 Jahre begleitet wurden.

Rund 1.000 dieser Patienten erlitten in diesem Zeitraum eine Herzschwäche, einen Herzinfarkt oder sogar einen Schlaganfall. Eine genauere Analyse dieser Fälle bestätigte, dass ein Viertel der Patienten, die das schlechteste Zahnfleisch besaßen, ein um 70 % gesteigertes Risiko für Herz- und Kreislauferkrankungen aufwiesen.

Damit ist natürlich zunächst lediglich der Zusammenhang zwischen der Zahngesundheit und Herz-Kreislauf-Erkrankungen hergeleitet worden. Es handelt sich noch nicht um einen Beleg über die Ursache, d. h. beide Krankheitsbilder könnten theoretisch auch einfach nur auf denselben Risiken beruhen.

Ganzheitlicher Zahnarzt

Aus diesem Grund wurde besagte Studie zunächst „bereinigt“, d. h. Einflüsse wie Alter und Geschlecht, Nikotinsucht, Bildungsstand etc. wurden herausgefiltert. Zudem gibt es zahlreiche ähnliche Studien, die den Anfangsverdacht durchaus untermauern: Kranke Zähne, krankes Zahnfleisch bergen eine Gefahr für Herz und Kreislauf!

Wieso, weshalb und warum sich die Mundgesundheit auf das Herz auswirkt, konnte bislang noch nicht ausreichend erforscht werden. Es gibt allerdings zwei mögliche Theorien:

➀ Bei chronischen Entzündungen werden grundsätzlich auch Botenstoffe ausgeschüttet, die durch den Körper wanden und empfindliche Bereiche, z. B. Gefäße oder Gelenke, angreifen.

Diese Theorie würde zugleich auch den Zusammenhang zwischen anderen Erkrankungen, z. B. Rheuma, und Herzleiden erklären.

➁ Die zweite Theorie konzentriert sich auf die Mundbakterien. Diese vermehren sich auf dem kranken Zahnfleisch, dringen durch winzige Wunden ein und wandern schließlich durch den gesamten Organismus.

Es ist nicht auszuschließen, dass diese Bakterien für entzündete Herzkranzgefäße, Muskelentzündungen oder Entzündungen an den Herzklappen verantwortlich sind. Tatsächlich wurden eben diese Mundbakterien bereits in den Ablagerungen an Herzgefäßen entdeckt, allerdings fehlt nach wie vor der Nachweis, dass sie nicht zufällig dort waren, sondern die krankhaften Veränderungen herbeigeführt haben.

2.6. Osteoporose

Osteoporose steht für eine abnehmende Knochendichte d. h. die Knochen werden porös und neigen zu schnellen Brüchen. Frauen sind bis zu sechs Mal häufiger von der Osteoporose betroffen als Männer, was auf den Östrogenmangel während der Menopause zurückzuführen ist. Oberschenkelhalsknochen, Beckenknochen, aber eben auch Kieferknochen werden fragiler.

Inzwischen konnten Studien belegen, dass Osteoporose-Patienten zugleich auch häufiger unter der Parodontitis leiden: Die Parodontitis entsteht durch Plaque, ein von Bakterien verursachter Zahnbelag.

Die Bakterien greifen das Zahnfleisch an, bewirken Entzündungen am Zahnhaltapparat und zerstören letztendlich auch Bindegewebe und Kieferknochen. Die Folge: Die Zähne werden locker und fallen schließlich aus.

So fallen hier der

✔ bakteriell bedingte Knochenabbau einer Parodontitis
✔ und der Kieferknochenabbau durch Osteoporose

zusammen. Dies führt dazu, dass Frauen in den Wechseljahren mehr Zähne verlieren als Frauen, die über gesunde und feste Knochen verfügen.

Doch auch Probleme mit Implantaten können häufig auf die Osteoporose zurückzuführen sein, denn sie sind wie eine Zahnwurzel im Kieferknochen verankert.

Bei fortgeschrittenem Knochenschwund können Implantate keinen Halt mehr finden, nicht so gut einwachsen und weniger stark belastet werden.

2.7. Migräne

Die meisten Migräne-Patienten kommen der Ursache ihrer Erkrankung nie oder nur sehr schwierig auf die Spur. Sie suchen verschiedenste Fachärzte auf, lassen endlos scheinende Untersuchungen über sich ergehen, doch kommen zu keinem Ergebnis.

Eine dauerhafte Besserung ist so gut wie ausgeschlossen, allein die Symptome können mit Spritzen und Medikamenten behandelt werden.

Dabei kann die Ursache einer Migräne tatsächlich auch im Bereich des Kiefers und der Zähne zu finden sein. Stimmt beispielsweise der Schlussbiss nicht – soll heißen: beißen Ober- und Unterkiefer nicht perfekt aufeinander – so beeinflusst dies eben nicht nur das Kiefergelenk.

Jede Veränderung im Kiefergelenk, ob vererbt oder erworben, kann die ständigen Kopfschmerzen hervorrufen.

Erworbene Fehlstellungen im Gebiss entstehen durch

✘ zu hohe oder zu niedrige Füllungen
✘ zu hohe oder zu niedrige Kronen
✘ zu hohe oder zu niedrige Brücken
✘ zu hohe oder zu niedrige Prothesen
✘ Abwanderung von Zähnen
✘ unerwünschte Folgen kieferorthopädischer Behandlungen
✘ Zahnverlust

Bei Schmerzen und Funktionsstörungen im Bereich von Kopf, Kiefergelenken und Kaumuskeln liegt eine Craniomandibuläre Dysfunktion (CMD) vor. Ein Osteopath oder ein Physiotherapeut kann bei Verwendung einer Okklusionsschiene begleitende Abhilfe schaffen – es handelt sich dabei um eine speziell für den betroffenen Patienten angefertigte Aufbissschiene, welche die Fehlstellung im Kiefergelenk korrigiert. Sie besteht aus einem transparenten Kunststoff oder Kunststoff-freien Biomaterial, sodass sie fast unsichtbar zu tragen ist.

3. Ergänzende Behandlungsmethoden

3.1. Homöopathie

Auch in der Zahnmedizin ergänzen homöopathische Methoden sinnvoll die zahnärztliche Behandlung:
Hier setzen wir die Homöopathie begleitend ein:
> in der Oralchirurgie
> in der Implantologie
> bei Parodontalbehandlung
>bei Angstpatienten
>bei empfindlichen Zähnen

3.2. Neuraitherapie

Unter der Bezeichnung „Neuraltherapie“ ist ein Verfahren zu verstehen, das eine Behandlung über die Nerven vorsieht. Eine Behandlung, bei der ein lokales Anästhetikum injiziert wird, um schmerzhafte Körperzonen zu beruhigen, Krämpfe zu lösen und die Selbstheilungskräfte in Gang zu setzen.

Die ganzheitliche Zahnmedizin bzw. ein ganzheitlicher Zahnarzt untermauert die These, dass auch entfernter liegende Störzonen über die Nervenbahnen zu Beschwerden führen können, sprich: Schadhafte Zähne verursachen Schmerzen an vollkommen anderen Körperstellen.

Erhält der Patient nun eine solche Injektion im Bereich der Zähne, so klingen die Schmerzen tatsächlich innerhalb von Sekunden ab – die Dauer der Schmerzfreiheit variiert allerdings von Fall zu Fall, denn sie hängt von den Ursachen der Zahnprobleme ab.

Die Neuraltherapie kommt gerade in der Schmerzbehandlung häufig zum Einsatz, z. B. bei

✔ häufigen Kopfschmerzen und Migräne
✔ rheumatisch bedingten Schmerzen
✔ Neuralgien
✔ und Entzündungen

Sie unterstützt die Selbstregulationskräfte im menschlichen Organismus, sodass dieser letztendlich wieder in die Lage zurückversetzt wird, die Beschwerden bzw. deren Ursachen selbst zu beseitigen.

Es ist jedoch unbedingt zu berücksichtigen, dass sich zunächst eine spürbare Erstverschlechterung zeigen kann, d. h. die vorliegenden Symptome verschlimmern sich für etwa ein bis zwei Tage. Dies beweist, dass der Körper auf die Neuraltherapie anspricht!

3.3. Mundstrommessung

Immer wieder klagen Patienten über einen „Batteriegeschmack“ im Mund. Dieser unangenehme Effekt beruht auf einem elektrischen Feld, das sich im Mund aufbaut, sobald unterschiedliche Metalle in Form von Füllungen, Kronen, Brücken oder sonstigem Zahnersatz vorhanden sind.

Dieses elektrische Feld verursacht Spannungswerte von bis zu 950 mV – je mehr Metalle verwendet wurden, umso höhere Spannungen entstehen.

Der ganzheitliche Zahnmediziner wird eine Mundstrommessung durchführen, um die Spannungsfelder nachzuweisen und die Metalle aufzuspüren, die das unangenehme Gefühl im Mund verursachen. Anschließend kann der Zahnarzt diese Materialien austauschen, damit die Spannungswerte spürbar abnehmen.

Geschieht dies allerdings nicht, so sollte der Patient mit folgenden Konsequenzen rechnen:

➥ Ionen lösen sich aus dem Metall heraus und gelangen in das Gewebe, wo sie chronische Entzündungen verursachen.

➥ Diese Ionen gelangen über Blut und Lymphe in den Organismus, wo sie mit zur umweltbedingten Schwermetallbelastung beitagen

➥ Mit Hydroxylapatit beschichtete Implantate verlieren ihre Beschichtung.

➥ Befestigungszemente von Kronen, Brücken, Füllungen und sonstigem Zahnersatz lösen sich auf.

➥ Die Schleimhaut verändert sich, es kann sogar zu Entartungen kommen, z. B. in Form einer Hauterkrankung im Mund (Lichen planus) oder der Weißschwielenkrankheit (Leukoplakie).

➥ Keime verändern sich unkontrolliert, d. h. durch ein elektrisches Feld könnte sogar eine Störung in der Darmflora (Dysbiose) entstehen.

4. Interview mit Frau Dr. med. dent. Hiltrud Borger

Frau Dr. med. dent. Hiltrud Boeger ist seit den frühen 90er Jahren des letzten Jahrhunderts im Bereich der integrativen Zahnheilkunde tätig. Das bedeutet, dass sie die klassische Zahnmedizin um Aspekte der biologischen Medizin, der Naturheilkunde und der Umweltzahnmedizin/ganzheitlichen Zahnmedizin ergänzt.

Was dies konkret für den Patienten bedeutet, erklärt Sie uns in folgendem Interview:

✎ Welche körperlichen Beschwerden können mit der Mundgesundheit zusammenhängen?

„Der Mundraum lässt sich nicht vom restlichen Körper trennen, insofern können so gut wie alle körperlichen Beschwerden mit der Mundgesundheit zusammenhängen, z. B.: rheumatische Beschwerden, Wasser in den Gelenken oder Muskelschmerzen.

Auch Schwächegefühle und ein verstärktes Auftreten von chronischen Erkrankungen können im Mund des Patienten verwurzelt sein. Bei Allergien unterscheiden wir den Sofort- und den Spät-Typen: Während der Sofort-Typ unmittelbar nach Kontakt mit dem Allergen reagiert, zeigen sich allergische Reaktionen auf unverträgliche zahnmedizinische Materialien beim Spät-Typen frühestens vier Tage nach ihrer Verwendung, manchmal sogar noch später.

Beide Allergietypen sind im Hinblick auf Zahnmaterialien möglich, jedoch überwiegen eindeutig die Reaktionen vom Spättyp (Typ 4). Ein Zusammenhang zwischen den Symptomen und ihrer Ursache im Mundraum wird infolgedessen häufig übersehen.“

✎ Wie lässt sich ein möglicher Zusammenhang zwischen körperlichen Beschwerden und der Mundhöhle feststellen?

„Hier stehen uns einige alternative Testmethoden, z. B. in Form der Kinesiologie, zur Verfügung – dabei handelt es sich um manuelle Muskeltests für die Diagnose sowie eine nachfolgende Erstellung eines Behandlungskonzeptes.

Die Muskelspannung soll Aufschluss über die Körperfunktionen liefern, allerdings gelten derartige Verfahren nicht als besonders zuverlässig. Über Speichel- und Bluttests sind Zusammenhänge zwischen körperlichen Symptomen und der Mundgesundheit jedoch ganz eindeutig festzustellen.“

✎ Welche Behandlungen nimmt ein Zahnarzt der Umweltzahnmedizin / ganzheitlichen Zahnmedizin vor, die der klassische Zahnarzt vielleicht nicht durchführt?

„Zunächst möchte ich vorwegnehmen, dass die Umweltzahnmedizin / ganzheitliche Zahnmedizin die Schulzahnmedizin nicht ersetzt, sondern vielmehr ergänzt. Auch ich verwende moderne Technik, um den Patienten von Karies zu befreien – bereichere diese Technik schließlich aber durch die komplementäre Umweltzahnmedizin / ganzheitliche Zahnmedizin, um den Ursachen der Erkrankung auf den Grund zu gehen:

Warum leidet ein Patient immer wieder unter Karies? Warum erkrankt er wiederholt an Parodontose, obgleich er seine Zähne regelmäßig und sorgfältig pflegt?

Natürlich werde ich im ersten Schritt den Befund sanieren, aber liegen die Ursachen nicht in der Zahnpflege begründet und treten immer wieder Neuerkrankungen auf, dann ziehe ich mein komplementäres Eisen aus dem Köcher.“

✎ Wird die Umweltzahnmedizin / ganzheitliche Zahnmedizin von den Krankenkassen finanziell unterstützt?

„Die gesetzlichen Krankenversicherer lehnen jede Kostenübernahme für die Umweltzahnmedizin und die ganzheitliche Zahnmedizin ohne Ausnahme ab. Es gibt aber viele private Zusatzversicherungen, die sich finanziell an einer solch ergänzenden Zahnbehandlung beteiligen.“

✎ Wie finde ich einen kompetenten und seriösen Zahnarzt der Umweltzahnmedizin / ganzheitlichen Zahnmedizin?

„Es existieren spezielle Berufsverbände im Bereich der Umweltzahnmedizin und ganzheitlichen Zahnmedizin – im Prinzip kann hier jeder Zahnmediziner Mitglied werden. In Deutschland gibt es drei Verbände, die an dieser Stelle zu nennen sind:

✔ Deutsche Gesellschaft für Umweltzahnmedizin, kurz: DeGUZ
✔ Internationale Gesellschaft für ganzheitliche Zahnmedizin, kurz: GZM
✔ Bund der naturheilkundlich tätigen Zahnärzte, kurz: BNZ

Die Verbände ziehen ganz eindeutige Unterschiede zwischen normalen Beitragszahlern und Mitgliedern, die sich über entsprechende Fortbildungen wie auch Erfahrungen in der ganzheitlichen Zahnmedizin und Umweltzahnmedizin qualifizieren.

Über die Zahnarztsuche finden Patienten schnell und einfach zu einem kompetenten und versierten Vertreter der ganzheitlichen Umweltzahnmedizin / ganzheitlichen Zahnmedizin.

Zusätzlich sollten Sie die Webseiten der Zahnmediziner sorgfältig studieren: Hier lässt sich teilweise bereits erkennen, ob jemand mit der Umweltzahnmedizin / ganzheitlichen Zahnmedizin wirbt oder ob dieses Fachgebiet seriös angewendet wird.“

✎ Wir bedanken uns bei Frau Dr. med. dent. Boeger für Ihre wertvolle Zeit und dieses freundliche Interview!

Quellen

✎ http://www.daserste.de/information/wissen-kultur/w-wie-wissen/sendung/herz-138.html
✎ http://www.deguz.de
✎ http://www.dgco.de/pdf/DGCO_CMD_Pressetext.pdf
✎ http://www.drboeger.de
✎ http://www.gzm.org
✎ http://www.horstweyrich.de/luw/zaehne.htm
✎ http://www.jameda.de/gesundheit/zaehne-mund/umweltzahnmediziner-finden-allergien-krankheitsursachen-heraus/
✎ http://www.leben-mit-biss.de/weil-kranke-zaehne-dem-darm-nicht-egal-sind/
✎ http://www.portal-der-zahnmedizin.de/aktuelles/20121101-osteoporose-zahngesundheit.html
✎ http://www.praxis-dr-koch.de/ganzheitliche-zahnmedizin/beschwerden-und-ursachen/ursachen-rheuma-tote-zaehne/
✎ http://www.praxis-ganzheitliche-zahnmedizin.de/diabetes.html
✎ http://www.umweltzahnmedizin.de
✎ http://www.zahngesundheit-online.com/Ganzheitliche-Zahnmedizin/Elektroakupunktur/
✎ http://www.zahngesundheit-online.com/Ganzheitliche-Zahnmedizin/Pflanzenheilkunde-Phytotherapie-/
✎ http://www.zahngesundheit-online.com/Kieferorthopaedie/Myofunktionelle-Therapie/
✎ https://de.wikipedia.org/wiki/Ganzheitlichkeit